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Professor Dr. Georg Lämmlin Professor Dr. Georg Lämmlin ist Leiter des Sozialwissénschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Gastbeitrag von Professor Dr. Georg Lämmlin

„Beheimatung“ als eine Dimension des Evangeliums

Mit der sozialräumlichen Öffnung der kirchlichen Praxis und der Kommunikation des Evangeliums im Sozialraum beschäftigt sich Professor Dr. Georg Lämmlin in einem Gastbeitrag für diese Website. Für den Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland muss es bei Religion nicht nur um Kommunikation mit den Transzendenten gehen.

Lämmlin führt aus, dass die Sozialraumorientierung in der aktuellen Debatte um die Zukunft der Kirche zumindest untergründig eine wichtige Bedeutung spielt. Ohne dass man den Begriff ausdrücklich nenne, gelte das auch für die im Juni dieses Jahres unter dem Titel „Kirche auf gutem Grund“ veröffentlichten Leitsätze der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Dort geht es unter anderem um die kirchlichen Angebote in Kooperationen mit Partnern aus der Gesellschaft und das Verhältnis von analogen Formen der Vergemeinschaftung und digitalen Angeboten.

Vielfältige Bewegungen der Kirchen und sozial-diakonischen Dienste

Unter der Losung „Kirche im Quartier“ verfolgt die kirchliche Praxis laut Autor seit Langem Ansätze, wie sich Ressourcen, Strukturen und Handlungsformen den Anliegen der Menschen im konkreten Sozialraum zur Verfügung stellen lassen. Diese Ansätze eröffneten Handlungsmöglichkeiten und ermöglichten Solidarisierung. „In vielen kleinen, mittleren und größeren Zusammenhängen zeigt sich eine vielfältige Bewegung der Kirchen und ihrer sozial-diakonischen Dienste, in die städtischen und ländlichen Quartiere, Stadtteile, Dörfer, Kieze hinein“, so Lämmlin.

Lämmlin plädiert für „multiprofessionelle Teams“ von Theologinnen und Theologen, Pädagoginnen und Pädagogen, Diakoninnen und Diakonen, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern und anderen. Dabei entstehe das Bild einer „neuen, multiperspektivischen, agilen kirchlichen Praxis, in der die parochiale Grundstruktur nicht abgeschafft, sondern weiterentwickelt und dynamisiert wird“. Er verspricht sich dadurch „die Überwindung einer überholten Entgegensetzung von Parochie und funktionalen Diensten“.

Vitalisierung des Religiösen

Die kirchliche Sozialraumorientierung soll zu einer Inklusivität beitragen und solidarische, versorgende, identitätsstärkende, resilienzfördernde Aspekte und Faktoren stärken. Es gehe darum, aus einem Sozialraum „unser Quartier“, „unser Dorf“, unsere Stadt“, „unsere Welt“ zu machen. In dieser „Beheimatung“ realisiere sich dann auch eine Dimension des Evangeliums, die Versöhnung von individueller Identitätserfahrung und solidarischer Gemeinschaft.

Nach Ansicht von Lämmlin kann dies auch zu einer neuen Vitalisierung des Religiösen führen. Der Autor widerspricht einem Religionsverständnis, dass Religion nur dort sieht, wo es ausdrücklich um die Kommunikation mit dem Transzendenten geht. Soziale Dienstleistungen im Sozialraum sollten als genuin religiöse Leistungen verstanden werden.

Zugleich spricht er sich aber gegen Sozialraumorientierung als Ersatzhandlung aus, weil man keine Chancen mehr sehe, Menschen im engeren religiösen Bereich zu gewinnen. Was sich in der Sozialraumorientierung zeigt, kann sich für Lämmlin durchaus als Wiedererwachen einer „Sozialreligion“ darstellen. „Möglicherweise zeigt sich dann, dass nicht nur kirchliche Praxis für die Anliegen der Menschen, sondern auch Menschen ‚überraschend offen‘ sind für solidarische Praxisformen und sinnstiftende Kommunikation des Evangeliums“, so der Theologe.

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Ralf Thomas Müller / 07.10.2020



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