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epd-Landesdienst West, 23.08.2019

Studie zeigt ungleiche Lebensverhältnisse in deutschen Regionen

Berlin/Dortmund (epd). Strukturschwache Regionen in Deutschland drohen einer neuen Studie zufolge weiter den Anschluss an wohlhabendere Regionen und Kommunen zu verlieren. Bevölkerungsrückgang und schwindende Daseinsvorsorge würden sich weiter verstärken, wenn von der Politik nicht gegengesteuert werde, heißt es in dem am Donnerstag in Berlin vorgestellten „Teilhabeatlas Deutschland“.

Zu den abgehängten Regionen zählen neben ostdeutschen Städten und Kreisen auch das Ruhrgebiet, der Südwesten von Rheinland-Pfalz sowie Gebiete im Saarland, in Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

Anstatt eine „Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse“ zu versprechen, sollte die Politik vielmehr eine bundesweit einheitliche Grundversorgung definieren, sagte Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, bei der Präsentation der Studie. Dazu gehöre etwa eine garantierte Elektrizitätsversorgung und eine ordentliche Internetverbindung. Wichtigste Grundvoraussetzung für nachwachsende Generationen seien gleiche Bildungschancen.

Nötig sei zudem eine Stärkung der Eigenverantwortung der Kommunen. Diese bräuchten mehr Finanz- und Entscheidungsautonomie, sagte Stefan Krämer von der Wüstenrot Stiftung, die die Studie mitfinanziert hat. „Damit sie dort ansetzen können, wo es am dringendsten ist, ob das der Erhalt der Grundschule oder der Bau eines weiteren Verkehrskreisels ist“, heißt es im „Teilhabeatlas“.

Die Studie zu ungleichwertigen Lebensverhältnissen in Deutschland basiert auf einer Auswertung von acht Indikatoren aus 401 kreisfreien Städten und Landkreisen sowie Interviews zur Wahrnehmung der eigenen Region. Zu den Teilhabe-Indikatoren gehören neben der Quote von Hartz-IV-Empfängern und dem Wanderungssaldo auch das jährlich verfügbare Haushaltseinkommen je Einwohner. Außerdem flossen in die Studie Zahlen zu kommunalen Steuereinnahmen, die Schulabbrecherquote, die Lebenserwartung, die Internet-Breitbandversorgung sowie die Versorgung mit Gütern und Dienstleistungendes alltäglichen Lebens wie Ärzten, Supermärkten und regelmäßigen öffentlichen Nahverkehr ein.

Wie gut Menschen heute am gesellschaftlichen Leben teilhaben könnten, hänge in Deutschland stark von ihrem Wohnort ab, sagte Klingholz weiter. „Besonders gut sind die Chancen in Baden-Württemberg, in Teilen Bayerns und im südlichen Hessen.“ Nördlich davon böten nur vereinzelte Regionen ihren Bewohnern vergleichbare Teilhabechancen, „im Osten lediglich der berlinnahe Landkreis Dahme-Spreewald“.

Im Ergebnis zerfalle die Republik in sechs Bereiche, die sich in ihren Rahmenbedingungen ähneln: drei städtische und drei ländliche „Cluster“ mit jeweils guten, mäßigen und geringeren Teilhabechancen. Zu den „reichen Großstädten und ihren Speckgürteln“ gehören 19 Kreise sowie etwa München, Stuttgart und Frankfurt am Main. Zu den 51 „Großstädten mit Problemlagen“ zählen beispielsweise Gelsenkirchen, Bremerhaven, Berlin und Dortmund.

Quelle: Evangelischer Pressedienst (epd) West 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des epd-West 

epd, ms / 27.08.2019


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