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Till Christofzik
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Till Christofzik. Foto: Valentin Heimer Till Christofzik. Foto: Valentin Heimer

Gesellschaftlicher Zusammenhalt als Aufgabe

Ein Gespräch mit Till Christofzik von der evangelischen Akademie im Rheinland

Ich leite einen neuen Studienbereich in der evangelischen Akademie im Rheinland. Er nennt sich „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“. Das Thema hat für mich 3 Dimensionen. Einerseits ist es Problembeschreibung, aber auch große Herausforderung und Zielsetzung. Und diese Kombination finde ich spannend.

In dem Thema versteckt sich verschiedenes. So hat die Debatte um den sozialen Wandel den Faktor des demographischen Wandels, denn Veränderung kann nur generationsübergreifend angegangen werden. Ein anderer Aspekt ist der Wandel des öffentlichen Diskurses. Früher fand der in Zeitungen und Fernsehen statt, heute finden viele Teile der Diskussionen auch in den neuen Medien statt. Was die Diskussion wesentlich bereichert, aber auch das Problem schafft, dass sich im Netz extreme Meinungen gegenseitig verstärken können. Ich glaube, dass wir neue Partizipationsformen brauchen, weil alle großen Institutionen eigentlich die gleichen Probleme haben. Ob es Kirche, Gewerkschaft, Vereine oder Parteien sind. Überall sind Mitgliederzahlen rückläufig. Und früher waren das die Gruppen, die den Kitt der Gesellschaft ausgemacht haben. Dort wurden gesellschaftliche Themen ausgehandelt, kontroverse Themen diskutiert. Heute haben die Menschen entweder keine Zeit dafür oder fühlen sich von diesen Gruppen nicht mehr vertreten. Deshalb ist es so wichtig neue Formen der Teilhabe zu finden. Wie kann man Leute wieder dazu bewegen sich einzubringen und Räume dafür schaffen? Denn wenn wir nicht in der Lage sind gesellschaftliche Prozesse auszuhandeln besteht die Gefahr, dass der Demokratie ein ganz entscheidendes Moment abhandenkommt, das gemeinsame Verhandeln und Entscheiden.

Des Weiteren beschäftigt sich mein Studienbereich mit der sozialen Ungleichheit, mit Problemen wie Alters- und Kinderarmut. Chancenungleichheit überhaupt in unserer Gesellschaft. Aber auch die Frage, wie grenzen wir uns ab gegen Rechtspopulismus, gegen Fremdenfeindlichkeit.

Dabei arbeiten wir auf verschiedenen Ebenen. Einerseits stellen wir Wissen zur Verfügung zur Vorbereitung für andere, aber vor allem entwickeln wir auch Bildungsveranstaltungen, mit unterschiedlichen Zielgruppen. Wir veranstalten Fachtage, Podiumsdiskussionen alles ausgerichtet darauf öffentliche Diskussion zu nähren. Wir wollen aufzeigen, wo was falsch läuft in unserer Gesellschaft. Ich glaube, dass besonders viele Menschen im Moment die Folgen des sozialen Wandels zu spüren bekommen, die Welt dreht sich sehr schnell und Transformation ist eine scheinbare oder tatsächliche Bedrohung am Horizont. Da ist es besonders wichtig auch positive Visionen anzubieten. Welche Ideen von gemeinsamer Zukunft haben wir? Wie stellen wir uns Gesellschaft gemeinsam vor? Oft entsteht Gemeinschaft in Stadtvierteln, in Gemeinden. Kirche ist für mich einer der Orte von Gemeinschaft wo noch unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen, mit dem verbindenden Element, der gemeinsamen christlichen Identität. Es ist so wichtig ins Gespräch zu kommen. Deshalb möchte ich nicht nur in Veranstaltungen Wissen weitergeben, sondern Orte der Begegnung schaffen.

Ich selbst bin an einem solchen Ort aufgewachsen. In einem Pfarrhaus im Duisburger Norden. Von da her habe ich die soziale Komponente des Gemeindelebens schon sehr früh erfahren, habe Armut schon als Kind um mich herum erlebt. Menschen, die wohnungslos waren und bei uns um ein Butterbrot gefragt haben, das passierte immer wieder. Und Anfang der 90er Jahre kamen viele Kinder in meinem Alter, die aus Jugoslawien geflohen waren und viel Kriegsgeschichte und Traumata erlebt haben. Auch sie wurden aufgefangen im Gemeindeleben. Ich habe dadurch sehr früh ganz nah erlebt, dass Menschen sehr unterschiedliche Startvoraussetzungen haben und dass viele nicht das Glück hatten da zu starten, wo ich starten konnte. Politischer ist das und bin ich dann geworden mit meinem sozialen Jahr mit der Vereinten Evangelischen Mission auf den Philippinen. Da habe ich bei einer Menschenrechtsorganisation geholfen. Das war eine sehr politische Erfahrung. Sich wehren gegen soziale Ungerechtigkeit in einem Land mit heftigen Menschenrechtsverletzungen. Da war kirchliche Gemeinschaft auch Gemeinschaft im Widerstand. Das ist für mich zum Leitmotiv geworden, aus dieser christlichen Verantwortung heraus politisch zu agieren.

Danach habe ich studiert, Politikwissenschaft und Soziologie und einen Master in „Internationalen Beziehungen und Entwicklungspolitik“ gemacht. Neben und hinterher habe ich auch im kirchlichen Umfeld zum Beispiel für die Vereinte Evangelische Mission gearbeitet. Das war mein erster Kontakt mit Bildungsarbeit, den ich sehr spannend fand. Als es die Ausschreibung der Akademie für die Studienleitung gab, dachte ich, das könnte passen. Der sozialpolitische Bezug auf der einen und der kirchliche auf der anderen. Ich bin ja gerade erst vier Monate dabei, aber es ist eine sehr intensive Zeit um Ideen zu entwickeln, Veranstaltungen zu planen und zu organisieren und es ist eine großartige Herausforderung den sozialen Wandel aus dieser christlichen Perspektive mit begleiten zu können.

Die ersten Veranstaltungen für nächstes Jahr stehen und ich freue mich darauf Tagungen in allen Bereichen anzubieten und vor allem auch in den verschiedenen Regionen. Unser Gebiet reicht ja von Essen bis Saarbrücken und das Spannende ist auch, dass die Fragen und Themen in diesen Regionen sehr unterschiedlich sind. Wir haben Teile des Ruhrgebiets wo Arbeitslosigkeit das große Thema ist. Wir haben Städte wie Düsseldorf, Bonn, Köln die scheinbar prosperieren aber wo auch Armut existiert. Bonn hat glaub ich eine Kinderarmutsquote von 20% und in Köln leben gemessen an der Kaufkraft 25% in relativer Armut. Das sind ja alles Dinge, die kommuniziert werden müssen

Das zentrale Element von Gesellschaft ist für mich ist zu helfen, dass Menschen ins Gespräch miteinander kommen. Das gemeinsame Aushandeln von Dingen ist wichtig. Ich glaube nicht, dass es immer einen Konsens geben muss, aber vieles wird verständlicher und greifbarer, wenn man drüber gesprochen hat. Und der zweite wichtige Schritt ist es sich auch aktiv für soziale Gerechtigkeit einzusetzen. Und dabei das Auge auf die zu richten, und mit denen zu sprechen, die bisher keine eigene Stimme in diesem Wandel haben.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Ingrid Terhorst. Dieser Artikel ist erschienen im Kirchenblättchen der Gemeinde Honrath 04/2019, das zum Download zur Verfügung steht.

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Ingrid Terhorst, ms / 12.12.2019



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